Informationen zu Interviews

Zu den Interviewpartner*innen

Fluchtwege Unna interviewt Menschen mit Migrationsgeschichte, die in Unna leben und längere Zeit in der Stadt gelebt oder gearbeitet haben – also einen persönlichen Bezug zum Ort und zu den Menschen der Stadt besitzen. Alle Geschlechter und Identitäten, alle »Ethnien«, Herkunftsnationen, und Religionen sind willkommen. Interviews mit politischen und religiösen Extremist*innen lehnen wir ab. Aus rechtlichen Gründen verzichten wir auch auf Interviews mit Minderjährigen.

Interviews mit »prominenten« Migrant*innen, die recht häufig in der Literatur und im Internet zu finden sind, stehen nicht im Mittelpunkt. Prominente Menschen mit Migrationsgeschichte haben meist durch ihre Leistungen in Sport, Kunst, Kultur, Politik oder Wirtschaft wichtige Vorbildfunktionen. Dies zu würdigen ist gut und richtig, ist aber nicht der Anspruch des Projekts. Zumal eine Präsentation von erfolgreichen Menschen im Sinne von »Rollenvorbildern« oder »Leitfiguren« stets sehr hohe Maßstäbe und Normen definiert, die andere unter Erfolgsdruck setzen können – Migrant*innen wahrscheinlich noch mehr als Menschen ohne Migrationsgeschichte. Erst recht kann es nicht darum gehen, besonders herausragende Beispiele von »gelungener Integration« durch Prominente darzustellen. Vielmehr sollen durch die Geschichten von Migrant*innen, ihre oft verschlungenen Wege vom Gehen bis zum Ankommen, vom Scheitern und Gewinnen, von Schwächen und Stärken in ihrer komplexen Lebensdiversität jenseits des »Lichts der Öffentlichkeit« zum Nachfühlen und Nachdenken anregen.

Interviews werden möglichst in deutscher Sprache geführt. Ausnahmen kann es selbstverständlich geben – die schriftliche Wiedergabe der Interviews erfolgt abschließend auf Deutsch. Originalsprachliche Audio-Streams bleiben erhalten.

 

Anonymität und Schutzaspekt

Aus rechtlichen Gründen werden in den Interviews Namensnennungen von Personen die nicht im »öffentlichen Interessestehen« stehen (vergleichbar mit dem Presserecht) unkenntlich gemacht. In den Audio-Streams werden sie »verpiept«, bzw. in den Verschriftlichungen ausgelassen oder anonymisiert.

Interviews werden vor der Veröffentlichung noch einmal zur Freigabe vorgespielt bzw. schriftlich vorgelegt. Auf Wunsch können Passagen ausgelassen werden, sofern es nicht zu einer Sinnentstellung kommt. Auslassungen werden z.B. schriftlich kenntlich gemacht durch »Pünktchen in Klammern« (…).

Auf Wunsch kann auch nur die schriftliche Version vorgelegt, der eigene Name per Alias anonymisiert oder bestimmte biografische Daten, die unmissverständlich die Person offenlegen, ausgelassen werden. Anonymisierungen sind auch nachträglich möglich. Solche Wünsche sind der Erfahrung nach nicht selten, vor allem dann nicht, wenn Sie von Migrant*innen geäußert werden, deren Aufenthalte in Deutschland rechtlich (noch) nicht gesichert sind. Oft sind sie auch aus Ländern eingereist (Afghanistan, Syrien, Türkei usf.), in denen sie Angehörige oder Freund*innen zurückgelassen haben und nicht durch ihre Erzählungen in Gefahr bringen wollen. Diese Schutzaspekte respektiert das Projekt Fluchtwege.

 

Technische Aspekte und Interviewsetting 

  

Das Projekt Fluchtwege Unna zeichnet die Interviews als Audio-Stream auf. In einem zweiten Schritt werden die Interviews verschriftlicht – und zwar »gehört« und »aufgeschrieben«. Digitale Transkriptionsverfahren werden aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen nicht eingesetzt.

Zu jedem Interview gibt es ein längeres Vorgespräch, um den Interviewpartner oder -Partnerin kennen zu lernen. Ohnehin werden schon im Vorfeld Projekt, Aufgaben und Ziele sowie die Bedeutung der Interviews erklärt. Das Interview findet in der Regel ohne »Dritte« in einem entspannten Setting statt. Auf Wunsch könnten sich Interviewpartner*inne auch durch eine Person ihres Vertrauens begleiten lassen. Es gibt jedoch stets nur einen Interviewer oder eine Interviewerin – seitens der assoziierten Projektmitarbeiter*innen kann zwischen einem Mann oder einer Frau, mit oder ohne eigener Migrationsgeschichte, ausgewählt werden.

 

Ergänzungen zu Schriftform der Interviews

Schriftliche Interviews werden zur besseren Lesbarkeit in der Grammatik nach Bedarf angepasst. Der Sprachduktus wird in der Schriftform belassen und nicht geglättet. Sprachlich unverständliche Passagen können mit Klammern (…) ausgelassen werden. Häufig werden Begriffe in Landessprache oder auf Englisch oder Französisch ausgedrückt. In solchen Fällen wird dies in direkt darauffolgenden Klammern erklärt bzw. übersetzt. In manchen Fällen werden durch die Interviewten z.B. politische Gruppierungen, Organisationen und andere Aspekte aus ihren Herkunftsländern erwähnt. Wenn davon auszugehen ist, dass diese nicht allgemein bekannt sind, werden sie in einem folgenden Klammern-Text kurz erläutert.